Wehen – was Sie unbedingt bedenken sollten, wenn die Wehen einsetzen

Ein Ziehen hier, ein Ziehen da – bereits ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft setzen bei vielen Frauen die Wehen ein. Eine Wehe bezeichnet das Zusammenziehen der Gebärmutter und hat den Zweck, diese zu trainieren, das Baby in die richtige Lage zu bringen und den Geburtsvorgang einzuleiten. Die Gebärmutter versteht sich im Grunde als selbstbestimmter großer Muskel, der während einer Wehe kontrahiert. Die Tätigkeit der Gebärmutter können Sie kaum kontrollieren.

Diese Arten von Wehen gibt es

Den Unterschied zwischen Schwangerschaftswehen und beginnenden Geburtswehen erkennen Sie daran, dass letztere Schmerzhaft sind und im Zehn-Minuten-Abstand auftreten.

Übungswehen – Braxton-Hicks-Kontraktionen – wilde Wehen

Die ersten Wehen werden Sie bereits relativ früh verspüren. Ab ca. der Hälfte der Schwangerschaft, genauer gesagt, zwischen der 20. Und 25. Schwangerschaftswoche machen sich nämlich bereits erste Übungswehen bemerkbar. Diese verstehen sich als Training für die Gebärmutter bzw. dich tatsächliche Geburt und können von einer halben Minute bis zu einer Minute andauern. Das positive an den Übungswehen: sie sind zwar unangenehm dafür aber ohne große Schmerzen verbunden. Der Bauch wird hart und es ist ein Ziehen vom unteren Rücken bis in die Beine zu spüren. Sie treten relativ unregelmäßig auf und verflüchtigen sich langsam wieder. Das macht den großen Unterschied zu den immer stärker werdenden Geburtswehen aus.

Vorwehen

Ab der 36. Schwangerschaftswoche spüren die meisten Frauen erstmals sogenannte Vorwehen. Ob diese eher harmlos oder mit Schmerzen verbunden sind, ist von Frau zu Frau verschieden.  Die Vorwehen werden häufig durch ein heftiges Ziehen im Unterleib, Rückenschmerzen und Leistenschmerzen beschrieben. Manche Frauen verwechseln diese Wehen mit den eigentlichen Geburtswehen und machen sich viel zu früh auf den Weg ins Krankenhaus. Wenn Sie sich nicht sicher sind ist es in jedem Fall eine gute Idee sich mit Ihrer Hebamme zu verständigen. Ab dem Einsetzen der Vorwehen rückt die Geburt schon in greifbare Nähe. Trotzdem kann es noch einige Tage dauern, bis der erste Babyschrei ertönt. Die Vorwehen gehen manchmal direkt in Senkwehen über. Zur Sicherheit sollten Sie hier schon mal Ihre Familie verständigen, dass es in den nächsten Stunden so weit sein könnte.

Senkwehen

Senkwehen können mehrmals pro Tag für wenige Minuten auftreten. Der Kopf des Babys wird nun weiter nach Unten gedrückt und somit in die optimale Position für die Geburt gebracht. Der Kopf des Kindes drückt nun auf Ihren Beckenboden, was Sie beim Sitzen vermutlich spüren. Die Senkwehen werden meist als wenig schmerzvoll beschrieben. Für die Mutter kann diese Veränderung eine Erleichterung bedeuten. Trotz der Schmerzen, welche Senkwehen teilweise verursachen, können Sie nun wieder besser Atmen und Essen. Wenn Sie vorher unter Sodbrennen zu leiden hatten, hört dies hier meist auf. Wie zu Beginn der Schwangerschaft wird nun oft ein starker Harndrang empfunden.

Das ein oder andere Ziehen im Unterbauch ist mit dem Einsatz der Wehen vorprogrammiert. Foto (c) bigstockphoto.com/201705088/Tatyana_Tomsickova

Eröffnungswehen

Mit den Eröffnungswehen startet der Geburtsvorgang. Die Abstände zwischen den Wehen werden kürzer und ihre Intensität steigert sich. Die anfängliche Unregelmäßigkeit der Abstände wird immer regelmäßiger. Die Eröffnungswehen werden häufig mit Menstruationsbeschwerden verglichen. Der Muttermund öffnet sich bis zu 10 Zentimeter weit. Obwohl Müttern ans Herz gelegt wird, möglichst lange zu Hause zu bleiben um nicht bei der Geburt bereits erschöpft zu sein, halten das die meisten nicht durch. Speziell bei der ersten Geburt sind viele Frauen unsicher und fahren bereits nach den ersten Wehen ins Krankenhaus. Ein guter Tipp, wann es Zeit wird ins Krankenhaus zu fahren: wenn eine Wehe eine Minute oder länger anhält.

Presswehen

Bei den Presswehen verspüren Frauen einen starken Druck auf Ihren Darm. Dadurch wird der Drang, beim Pressen mitzuhelfen, hervorgerufen. Der Frau wird so das richtige Atmen (Hecheln) und pressen erleichtert. Die richtige Technik ist meist bereits durch den Geburtsvorbereitungskurs bekannt. Beim Hecheln handelt es sich um kurze und schnelle Ein- und Ausatmung. Erst wenn das Kind den Beckenboden erreicht hat, kann mit aktivem Pressen begonnen werden. Die Hebamme oder ein Arzt kann dies durch abtasten feststellen. Je tiefer der Kopf – desto besser, denn dann hat das Baby nur einen kurzen Weg.

Tipps zur Linderung der Schmerzen bei Wehen

  • Hinsetzen, hinlegen, Beine hochlagern
  • Ein Schläfchen zwischendurch in Seitenlage
  • Ein warmes Bad
  • Leichte Bewegungen

Wehen fördern und einleiten – diese Mittel gibt es

Wenn Sie bereits Kinder zur Welt gebracht haben, wissen Sie ja bestens Bescheid – die letzten Wochen vor der Geburt sind für viele Frauen eine echte Geduldsprobe. Die meisten werdenden Mütter können es kaum erwarten, bis Sie das Baby endlich in Ihre Arme schließen können. Es gibt einige Mittel, die dafür bekannt sind, eine beschleunigende Wirkung auf die Geburt des Babys zu haben. Wann das Baby dann tatsächlich auf die Welt kommt, entscheidet dieses aber letztlich ganz alleine.

  • Massage: diese fördert die Wehentätigkeit und kann somit eine beschleunigende Wirkung verüben. Die Massage kann von Ihrem Partner oder von Ihnen selbst durchgeführt werden. Als Massageöl eignet sich ein beliebiges Babyöl, das man in tausend unterschiedlichen Varianten in Drogeriemärkten bekommt.
  • Wehencocktail: damit ist meist der Rizinuscocktail gemeint – von dem ist aber dringend abzuraten, da er zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Dieses Mittel kann zwar Wehen hervorrufen, dem Körper wird dadurch aber wichtige Flüssigkeit entzogen.
  • Geschlechtsverkehr: wenn es bei der Frau zu einem Orgasmus kommt, kann gleichzeitig eine Wehentätigkeit ausgelöst werden. Sperma enthält zudem Gewebehormone (Prostaglandine), die auch bei einer Geburtseinleitung mittels Medikamente verwendet werden. Dies ist natürlich nur zu empfehlen, wenn es den werdenden Eltern noch Spaß bereitet. Auch die Brustwarzenstimulation kann hier förderlich sein.

Weitere Mittel die Wehen-fördernd wirken können:

Schwangere Frau in der Badewanne

Ein warmes Bad hilft sowohl gegen Schmerzen, als auch um die Wehen zu fördern. Foto (c) bigstockphoto.com/110413139/110413139

 

  • warmes Bad
  • leichte körperliche Tätigkeit
  • Akupunktur
  • scharfes Essen (Chili, Cayenne-Pfeffer)
  • Gewürze/ Tees mit Zimt, Ingwer, Koriander, Nelken
  • Treppensteigen

Was passiert, wenn die Wehen einfach nicht einsetzen?

Wenn der Geburtstermin bis zu 14 Tage überschritten wird, ist von einer Terminüberschreitung die Rede, danach spricht man von einer Übertragung.

Die Terminüberschreitung

In vielen Fällen passiert es, dass das Baby sich mehr Zeit nimmt als geplant war, was grundsätzlich kein Grund zur Sorge ist. Bis zu 14 Tage über dem Geburtstermin ist hier keine Seltenheit. Natürlich müssen auch die Umstände in Bezug auf die körperliche Verfassung der Mutter in Ordnung sein. Wenn die Rahmenbedingungen nicht passen, wird die Geburt medikamentös eingeleitet.

Die Übertragung

Von der Übertragung spricht man, wenn das Baby zu lange auf sich warten lässt, nämlich so lange, dass bereits die 42. Schwangerschaftswoche überschritten ist. Das Problem bei der Übertragung ist, dass die Plazenta meist nicht mehr in der Lage ist, das Baby mit genug Sauerstoff zu versorgen.  Das Fruchtwasser wird ebenfalls immer weniger und dem Baby wird allmählich der Raum zum Überleben genommen. In weiterer Folge muss die Geburt mithilfe von Medikamenten eingeleitet werden.

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