Die richtige Ernährung bei Gicht! So vermeiden Sie einen Gichtanfall

Gicht gehört in Österreich zu den Volkskrankheiten und beschreibt entzündliche Reaktionen des Körpers, weil sich Harnsäurekristalle in den Gelenken einlagern. Dies kann Schwellungen und starke Schmerzen in den betroffenen Gelenken hervorrufen. Sollten sich die Harnsäurekristalle zudem auch in der Niere ablagern, entstehen mitunter Nierensteine und es kann am Ende sogar eine Niereninsuffizienz ausgelöst werden. Schuld daran ist entweder eine zu hohe Harnsäurekonzentration im Blut, welche wiederum durch Stoffwechselerkrankungen oder falsche Ernährungsweisen ausgelöst wird, oder ein Defekt beim Abbau sowie der Ausscheidung. In unserem Ratgeber soll deshalb nun aufgezeigt werden, wie Sie sich nach einem Gichtanfall ernähren können, um Rückfälle zu vermeiden und die Harnsäurekonzentration in Ihrem Blut zu senken. Dies ist letztlich einfacher, als viele Menschen denken.

Ab welcher Harnsäurekonzentration wird von einem hohen Gichtrisiko gesprochen?

Die Harnsäurekonzentration im Blut ist einer der stärksten Hinweise auf ein erhöhtes Gichtrisiko. In der folgenden Tabelle werden sowohl normale Harnsäurewerte als auch die Schwelle für eine Hyperurikämie (erhöhte Harnsäurekonzentration) aufgezeigt:

Harnsäurekonzentration Bewertung
3,4 – 6,3 mg / dl normale Harnsäurekonzentration
6,5 mg /dl Beginnende Hyperurikämie
9 mg / dl sehr hohe Gichtgefahr

Tabelle 1: Harnsäurekonzentration im Blut und Gichtgefahr

Wenn Sie also eine Harnsäurekonzentration von mehr als 6,5 mg /dl im Blut aufweisen, besteht normalerweise Handlungsbedarf. Nicht selten regt der Arzt eine Ernährungsumstellung an und mitunter wird vorbeugend als Medikament auch Allopurinol eingesetzt, welches die Konzentration der Harnsäure im Blut wieder absenkt und bereits gebildete Harnsäurekristalle zersetzt. Ein hoher Harnsäurewert muss übrigens nicht zwangsläufig zu einem Gichtanfall führen, sondern sorgt nur für ein deutlich erhöhtes Risiko.

Wie beeinflusst die Ernährung die Harnsäurekonzentration im Blut?

Unser Körper stellt die Harnsäure als Abfallprodukt des Stoffwechsels selbst her. Beim Abbau von Purinen (Teilen von Zellen) entsteht Harnsäure, die normalerweise über den Urin ganz normal wieder ausgeschieden wird. Auf diese Weise produziert unser Körper ca. 350 mg Harnsäure pro Tag und gleichzeitig wird über die Nahrung eine ähnliche Menge täglich in Form von Purinen zusätzlich aufgenommen. Ist nun der Abbau der Harnsäure in unserem Körper gestört, steigt die Konzentration an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass wir durch purinreiche Kost einfach viel zu viel Harnsäure als Purin aufnehmen und somit eine erhöhte Konzentration im Blut aufweisen. Dieser Zustand wird durch Übergewicht noch begünstigt und verstärkt das Gichtrisiko.

Die wichtigsten Fakten für den eiligen Leser:

  • Harnsäure entsteht im Körper als Abbauprodukt von Purinen
  • Sie wird über den Urin ausgeschieden
  • Purinreiche Lebensmittel können zu einem ungewöhnlich hohen Harnsäurewert im Blut führen
  • Eine hohe Harnsäurekonzentration führt wiederum zu einem erhöhten Gichtrisiko
  • Übergewicht stellt einen weiteren Risikofaktor dar und kann über Ernährungsgewohnheiten gesteuert werden.

Purinreiche Lebensmittel – welche Speisen sollten bei Gicht möglichst gemieden werden?

Der Puringehalt von Lebensmitteln fällt höchst unterschiedlich aus. Während Milchprodukte in vielen Fällen überhaupt kein Purin enthalten, liegt der Puringehalt von geräuchertem Fisch, Fleisch, Innereien und Wurst besonders hoch. In Bezug auf Gemüse sind vor allem Erbsen und Linsen Ausreißer mit hohen Purinanteilen. Die folgende Tabelle zeigt besonders purinreiche Lebensmittel mit ihrem Gehalt an Purin pro 100 Gramm:

Lebensmittel Puringehalt (mg / 100 Gramm)
Kalbsbries 525
Sprotten 335
Rinderleber 231
Makrele, mit Haut 167
Schnitzel (Schwein) 88
Hühnerbrust 75
Fisch (gegart) 63
Erbsen 63
Wurst 42-54

Tabelle 2: Purinreiche Lebensmittel mit Puringehalt

Als Vergleichswerte können folgende besonders purinarme Lebensmittel angegeben werden:

  • Obst: 4-12 mg Purin / 100 Gramm
  • Hartkäse: 4 mg Purin / 100 Gramm
  • Salatgurke: 3 mg Purin / 100 Gramm
  • Eier: 2 mg Purin / 100 Gramm
  • Milch: kein Purin enthalten

Wie Sie sehen, macht es im Hinblick auf die Purin-Aufnahme einen erheblichen Unterschied, welche Lebensmittel Sie letztlich konsumieren. Durch eine entsprechende Ernährung lässt sich die Konzentration von Harnsäure im Blut auf Dauer also durchaus senken.

Welche Empfehlungen lassen sich daraus für eine Ernährung bei Gicht ableiten?

Aus dem Puringehalt von verschiedenen Lebensmitteln lassen nun gewisse Ernährungsempfehlungen abgeben, wenn Sie an Gicht leiden. Da Sie die Harnstoffzufuhr durch die Ernährung entscheidend beeinflussen können, sollten Sie folgende Punkte besonders beachten:

  • Reduzieren Sie Ihren Konsum von Fleisch, Fisch und Wurst auf maximal 100 Gramm pro Tag
  • Bei der Auswahl von Fischen sollten Sie auf besonders purinreiche Exemplare wie Sprotten, Forelle oder Hering verzichten.
  • Gerade bei Geflügel- und Schweinefleisch ist es ratsam, auf die Haut zu verzichten, die oft als außerordentlich purinhaltig beschrieben wird.
  • Milchprodukte wie Milch, Butter und Joghurt enthalten hingegen kaum oder sogar gar kein Purin. Trotzdem sollte der Konsum mit Bedacht erfolgen, da der hohe Fettanteil das eigene Gewicht erhöhen und somit indirekt zum Harnsäureproblem beitragen kann.
  • Da es zwischen normalem Weizenmehl und Vollkorn in Bezug auf ihre Wirkung auf die Harnsäurekonzentration im Blut kaum Unterschiede, sind Vollkornprodukte aufgrund ihrer hohen Ballaststoffmenge zu bevorzugen.
  • Obst und Gemüse ist größtenteils unproblematisch, jedoch sollten Sie in Bezug auf Hülsenfrüchte sowie Kohl und Spinat etwas vorsichtig sein. Die meisten anderen Obst- und Gemüsesorten enthalten hingegen nur relativ wenig Purin.
  • Hefe ist sehr purinhaltig und deshalb bei Gicht eher zu meiden. Nutzen Sie stattdessen Backpulver oder Sauerteig für Ihr Brot.

Grundsätzlich ist eine normale und gesunde Ernährung auch bei Gicht möglich. Die Einschränkungen betreffen vor allem Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Wurst, von denen größere Mengen eh problematisch sind. Neben der Einschränkung bei purinhaltigen Lebensmitteln sollten Sie zusätzlich darauf achten, Ihr Körpergewicht im Rahmen zu halten, da Übergewicht bei der Entstehung von Gicht ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Fazit – Ernährung bei Gicht muss nicht kompliziert sein

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass eine ausgewogene Ernährung auch bei Gicht kein großes Problem darstellt. Wenn Sie auf pruinreiche Lebensmittel wie bestimmte Fischsorten sowie Hühnerhaut Innereien größtenteils verzichten und sich auch bei den Hülsenfrüchten etwas einschränken, ist der erste große Schritt bereits getan.

Im Anschluss daran können Sie sich voll und ganz der Reduktion des eigenen Körpergewichts widmen und somit die Gichtgefahr für die Zukunft deutlich reduzieren. Natürlich sollte dies unter regelmäßiger Aufsicht durch einen Arzt erfolgen, um die Harnsäurekonzentration zu kontrollieren und entsprechend stärker gegensteuern zu können. Wenn Sie diese Punkte beachten, brauchen Sie sich in den meisten Fällen vor Gicht nicht mehr zu fürchten.

 

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