Alle Infos zum Zuckerersatz Stevia

Sehr viele Menschen lieben Süßspeisen und süßes Essen. Da macht auch Österreich keine Ausnahme, denn laut aktuellen Statistiken konsumiert in Österreich jeder Bürger durchschnittliche 37-38 kg Zucker pro Jahr. Angesichts der Ernährungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 50 mg Zucker pro Tage überschreiten wir das Limit also um etwas mehr als 100%. Bereits seit Längerem sind starke Zusammenhänge zwischen dem Zuckerkonsum und Problemen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Übergewicht bekannt. Zu viel Zucker macht demnach also eindeutig krank und wird nicht selten sogar für zahlreiche Todesfälle verantwortlich gemacht. Die Pflanze Stevia (stevia rebaudiana, auch „Honigkraut“ wird deshalb bereits seit einigen Jahren als perfekter Ersatz für Zucker angesehen, da sie deutlich süßer ist und trotzdem keinen Einfluss auf typische zuckerinduzierte Erkrankungen haben soll. Doch wird unsere Ernährung mit der Nutzung von Stevia als Süßmittel wirklich deutlich besser oder hat auch dieser Süßstoff Haken? Unser Ratgeber geht genau diesen Fragen etwas genauer auf den Grund, um Ihnen einen guten Überblick über die Materie bieten zu können.

Was ist Stevia genau?

Bei Stevia (stevia rebaudiana) handelt es sich um eine Pflanze aus Südamerika, die in der Nähe der Amambai-Bergkette wächst. Dabei werden für den Süßstoff Stevia vor allem die Stevioglycoside wie

  • Steviosid und
  • Rebaudiosid A

verwendet. Als reines Rebaudiosid A kann es einen Süßegrad erreichen, der den von normalem Handelszucker um das 450-fache übertrifft. Stevia ist mittlerweile in der EU als Süßstoff E960 genehmigt worden und wird auch als Mischprodukt mit normalem Zucker im Handel angeboten. Darüber hinaus wird als Zutat in Joghurt oder Tee zur Verfügung gestellt.

Welche Vorteile weist Stevia im Vergleich zu normalem Handelszucker auf?

Blutzucker messen

Stevia beeinflusst nicht Blutzzuckerspiegel

Die Süßkraft einiger Stevioglycoside erweist sich im Vergleich zu Handelszucker als enorm. Aber selbst die Kombination in den Blättern der Stevia-Pflanze weist immer noch eine deutlich stärkere Süßkraft auf als der bekannte Zucker aus Rüben. Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, dass Stevia praktisch nicht verstoffwechselt wird. Dies bringt folgende Besonderheiten mit sich:

  • Es beeinflusst nicht die Kalorienbilanz (keine Kalorien)
  • Der Blutzuckerspiegel wird nicht beeinflusst
  • Stevia-Süße erhöht nicht das Kariesrisiko

Da Stevia also keinerlei Kalorien aufweist, ist es somit auch nicht für Übergewicht und die damit einhergehenden Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Weil es zudem auch den Blutzuckerspiegel nicht beeinträchtigt, geht auch keine Diabetes-Gefahr vom Konsum aus. Somit dürfen auch Diabetiker Stevia nutzen. Darüber hinaus hat sich der Süßstoff in einigen Studien sogar als leicht gefäßerweiternd herausgestellt.

Hat Stevia auch Nachteile?

Bis auf Rebaudiosid A weisen zahlreiche Inhaltsstoffe von Stevia einen leichten bitteren Nachgeschmack mit Lakritz-Note auf. Je nach verwendetem Produkt haben Konsumenten die Süße mal als sehr angenehm, in anderen Fällen wiederum als künstlich beschrieben. Darüber hinaus muss die bekannte Stevia-Süße im Labor extrahiert werden, um sie tatsächlich marktfähig zu machen. Mit einem natürlichen Produkt hat dies im Normalfall oft nichts mehr zu tun. Überall dort, wo Zucker auch für nötiges Volumen sorgt (Kuchen), kann Stevia nicht in der gleichen Menge eingesetzt werden, da dies viel zu süß wäre.

Die Studienlage zu gesundheitlichen Risiken beim Konsum von Stevia ist aktuell sehr uneinheitlich. Einer Studie aus dem Jahr 1995, die im Oxfordjournal veröffentlicht wurde, geht von einer schwachen mutagenen Wirkung des Steviols (Abbauprodukt von Steviosiden) aus. Viele andere Studien haben hingegen keinerlei erbgutverändernde Wirkung nachweisen können. In Studien mit Ratten kam zudem heraus, dass Stevia die Fertilität beeinträchtigt. Entsprechende Beobachtungen bei Menschen konnten bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Auch wenn es keine Studien dazu gibt, bietet die japanische Gesellschaft jedoch keinerlei Hinweise auf eine negative Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Dort wird Stevia nämlich bereits seit 1970 als Süßungsmittel benutzt.

Die wichtigsten Fakten zu den Nachteilen von Stevia:

  • Die Süße von Stevia unterscheidet von der des herkömmlichen Zuckers
  • Die Lakritz-Note kann zu bitterem Nachgeschmack führen
  • Als Volumenersatz für Zucker ist Stevia nicht geeignet
  • Beweise für Erbgutschädigungen durch Stevia sind bisher nicht erbracht
  • In Tierversuchen wurde eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit beobachtet

Wie viel Stevia wird heute als unbedenklich eingestuft?

In einer Expertenkommission aus FAO und WHO wird die unbedenkliche Dosis an Steviol auf 4mg/kg Körpergewicht pro Tag festgehalten. Ein Mensch mit einem Körpergewicht von 80 kg könnte demnach 320 mg Stevioläquivalente zu sich nehmen. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass langfristige Wirkungen des Konsums von Stevia verständlicherweise noch nicht erforscht wurden.

Wird Stevia als Zuckerersatz große Erfolge feiern?

Ob Stevia tatsächlich den herkömmlichen Zucker als Quelle für Süße ablösen wird, ist aktuell eher fraglich. Der neue Süßstoff weißt sicherlich einige unschätzbare Vorteile auf, jedoch bringt die praktische Nutzung bisher durchaus Schwierigkeiten mit sich. So wird von Stevia deutlich weniger Grundstoff benötigt, um den gleichen Süßegrad zu erreichen. Gerade bei Kuchen- und Schokoladenrezepten bringt der Zucker jedoch ein Teil des Volumens mit sich. So müssen die Rezepte mitunter deutlich verändert werden, um gute Mischungen zu erreichen. Darüber hinaus stört die bittere Note einen großflächigen Einsatz in vielen Produkten wie Süßgetränken. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass für diese Schwierigkeiten Lösungen gefunden werden und Stevia den herkömmlichen Zucker tatsächlich in einigen Bereichen ablöst.

Fazit

Stevia ist ein Stoffgemisch aus der Stevia-Pflanze (stevia rebaudiana) und kann eine deutlich höhere Süßstärke erreichen als herkömmlicher Zucker. Darüber hinaus steht es in dem Ruf, die Zähne nicht anzugreifen und den Blutzuckerspiegel sowie die Kalorienbilanz nicht zu beeinträchtigen. Was auf den ersten Blick wie ein Wundermittel wirkt, hat jedoch auch einige Nachteile. Die Bitter-Note sowie bisher ungeklärte eventuelle Risiken für die Gesundheit sind Schwierigkeiten, die es der Stevia-Pflanze bisher noch schwer machen dürfte, dem Zucker als beliebtestes Süßungsmittel den Rang abzulaufen.

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