Kälteallergie – so nicht richtig

Als Synonym haben sich die Begriffe „Kälteurtikaria“ und „Kälteallergie“ eingebürgert. Es gibt allerdings keine Kälteallergie. Die Bezeichnung ist nicht nur irreführend, sie ist schlichtweg falsch. Die Kälteurtikaria taucht als eine der häufigeren Formen der Physikalischen Urtikaria auf. Viele der Patienten leider unter weiteren Allergien. In den meisten Fällen entwickelt sie sich im Laufe des Lebens. Die Kälte ist nicht nur der Namensgeber, sondern auch der Auslöser für die Erscheinungen auf der Haut. Typisch ist das Auftreten der Beschwerden nach dem Kontakt mit Kälte. Das kann kalte Luft oder auch kaltes Wasser sein. Die Beschwerden sind dann die gleichen wie bei einer Allergie, es handelt sich aber um keine echte Allergie. Der Begriff Kälteallergie wird auch immer wieder für andere Erkrankungen verwendet, wie beispielsweise der Kryoglobulinämie. Auch dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Allergie. Die Bildung von Antikörpern gegen ein Allergen ist verantwortlich für eine Allergie. Allergene sind eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt oder auch manchmal im Körper vorhandene Stoffe. Kommt es zum Kontakt mit dem Allergen, gibt es eine allergische Reaktion. Gegen Kälte können keine Antikörper gebildet werden, folglich kann es auch keine Kälteallergie geben.

Welche Symptome treten auf?

Die Symptome sind gar nicht so selten. Besonders in kalten Ländern tritt sie häufiger auf. Meist haben junge Erwachsene die Symptome, Frauen ungefähr doppelt so oft wie Männer. Im Schnitt dauert die Krankheit um die fünf Jahre, wobei der Schwerpunkt klar im Winter liegt. Häufig macht sich die Kälteallergie mit stark juckenden Haut- und/oder Schleimhautveränderungen bemerkbar.

Meist bilden sich zentral blasse Quaddeln in unterschiedlicher Größe und Anordnung, vergleichbar mit dem Ausschlag den man bekommt, wenn man in eine Brennnessel gelangt hat. Die Quaddel entsteht durch eine Flüssigkeitsansammlung in der Haut und die Erweiterung der Hautgefäße durch die Erhöhung ihrer Wanddurchlässigkeit. Die Ausschüttung verschiedener Entzündungsstoffe verursacht die Reaktion, besonders Histamin aus den Mastzellen ist verantwortlich.

An den Stellen an denen die Kälte einwirkt, entstehen Hautirritationen, meist sind das Gesicht und Hände, weil sie unbekleidet sind. Es reagiert nicht jeder Patient gleich, die auslösende Form ist ganz individuell. Während die einen auf Luft, Wasser oder kalte Getränke reagieren, sind es bei anderen kalte Gegenstände, Mahlzeiten, die Körpertemperatur oder verdunstender Schweiß. Bei vielen ist es auch nicht nur die absolute Temperatur, sondern auch ein großer Temperaturunterschied von Warm zu kalt, der zur Hautirritation führt. Bei den meisten kann man aber feststellen, dass beim Unterschreiten einer bestimmten Umgebungstemperatur die Beschwerden auftreten, entweder direkt oder beim Wiederaufwärmen.

Wie gefährlich ist die Kälteallergie?

Kälteallergie gefährlich

Kälteallergie Gefahren

Von der Kälteallergie gehen besondere Gefahren aus, die aber zum Glück nur in seltenen Fällen zu schweren Komplikationen führen. Auslöser und Ursache können sein:

  • Der Sprung ins kalte Wasser, bei dem die Reaktion bis zum Schock gehen kann. Das kann weiter zu einem Blutdruckabfall führen, der bis zur Bewusstlosigkeit geht und das Ertrinken zur Folge hätte.
  • Beim Genuss von kalten Getränken oder von Speiseeis kann die Folge eine Schwellung im Rachenbereich sein, die dazu führt, dass Schluckbeschwerden auftreten. Sie können bis zur Atemnot oder einem kompletten Verschluss der Atemwege gehen.
  • Bei Operationen, in der der Patient in Vollnarkose liegt, kann die Gabe von nicht auf Körpertemperatur erwärmten Infusionslösungen zu schweren Schüben der Kälteallergie führen.

Wie stellt man fest, ob eine Kälteallergie vorliegt?

Die Kälteallergie ist relativ leicht zu diagnostizieren. Mit Haut-Expositionstests wird zunächst geklärt, ob die Kälteallergie vorliegt. Dafür werden für eine bestimmte Zeit Eiswürfel auf die Haut aufgebracht oder mittels temperierter Wasserbäder oder einer Kältekammer getestet. Seit kurzem gibt es elektronisches Testgerät, dass die Kälteallergie feststellt. Metallische Kühlelemente, mit einer konstant eingestellten Temperatur werden auf dem Arm angebracht. Damit kann nicht nur die Kälteallergie festgestellt werden, sondern auch gleich die genaue Auslösetemperatur. Bei Patienten, bei denen die Haut nicht auf lokale Kälteeinwirkung reagiert, kommt eine Kühlkammer zum Einsatz. Das ist aber eher selten der Fall. Ist die Kälteallergie bestätigt, folgen weitere Untersuchungen auf mögliche Ursachen und andere Krankheiten.

Was hilft gegen die Kälteallergie?

Histamin ist bei der Kälteallergie für den Juckreiz und die Quaddeln verantwortlich. Mit einem Antihistaminikum kann man sich schützen. Die konkrete Therapie gegen die Ursache und dabei mit einer heilenden Wirkung ist das erklärte Ziel und muss sich genau nach den festgestellten Ursachen und assoziierten Erkrankungen richten. Liegt eine Infektion zugrunde, erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Capsaicin für die Behandlung ist eher noch in der Experimentierphase. Capsaicin wird in Paprikafrüchten gebildet. Die vorübergehende Entleerung der Neurotransmitter aus den Nervenendigungen ist der Wirkmechanismus, der den Juckreiz ausschaltet und das Auftreten von Quaddeln verhindert. Die häufige Applikation ist aufwendig, was ein echter Nachteil ist. Und im Gesicht auch reichlich problematisch anzuwenden.

Natürlich ist das Meiden von Kälte ein wichtiger Punkt. Auch von schnellen Temperaturwechseln. Das ist nicht so einfach, denn natürliche Kälte lässt sich nicht vermeiden. Aber dafür ist der richtige Kälteschutz wichtig. Warme und dichte Kleidung, die mit warmen Handschuhen und warmen Socken und Schuhen kombiniert wird. Ungeschützte Stellen, zum Beispiel das Gesicht sollten mit einer fetthaltigen Creme eingecremt werden, die einen gewissen Schutz bietet.

Natürlich sollte ein Sprung ins kalte Wasser auf jeden Fall vermieden werden, um Kreislaufreaktionen bis zum Schock zu vermeiden. Um lebensbedrohliche Schwellungen im Rachenbereich zu vermeiden, muss auf kalte Speisen und Getränke verzichtet werden. Gefährdete Patienten sollten ein Notfallset mit entsprechender Medikation mit sich führen. In das Notfallset gehören ein Cortisonpräparat, am besten in flüssiger Form und ein Antihistaminikum.

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