Die Ernährungspyramide – Noch aktuell oder voll retro?

Die Probleme der Ernährungswissenschaft haben sich in den letzten 100 Jahren stark gewandelt. Während damals die Menschen noch hauptsächlich hungerten, liegt das Hauptproblem in den Industrieländern heute eher beim Übergewicht. Anfang der Neunziger Jahre wurde mit der Ernährungspyramide eine Veranschaulichung dessen veröffentlicht, was als gesunde Ernährung galt. Doch ist die Ernährungspyramide heute überhaupt noch zeitgemäß und entsprechen die Empfehlungen den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft? Genau diese Fragen werden nun etwas genauer beantwortet.

Wie funktioniert die Ernährungspyramide genau?

Natürlich sollte zunächst geklärt werden, was die Ernährungspyramide überhaupt aussagt und wie sie funktioniert. Das Prinzip ist dabei eigentlich ganz einfach, denn grundsätzlich darf alles gegessen werden. Es kommt dabei lediglich auf die jeweiligen Mengen einzelner Komponenten an. Tendenziell sollen also vor allem stark zucker-, fett- oder salzhaltige Lebensmittel sehr selten verzehrt werden, wohingegen Gemüse, Hülsenfrüchte und fettarme Milchprodukte mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen können. Die Form der Pyramide wurde deshalb gewählt, weil sich so die Mengen gut veranschaulichen lassen. Die breite Basis unten zeigt die häufig zu verzehrenden Lebensmittel während in der sehr schmalen Spitze die „Ernährungssünden“ stehen, die nicht so häufig auf dem Teller landen sollten. In Österreich wird die Ernährungspyramide vom Bundesministerium für Gesundheit herausgegeben.

Die wichtigsten Fakten zum Modell im Überblick:

  • In der Ernährungspyramide ist grundsätzlich nichts verboten
  • Durch die Darstellung als Pyramide können die jeweiligen Mengen gut verdeutlicht werden
  • Stark salz-, fett- und zuckerhaltige Speisen stehen an der schmalen Spitze und Gemüse, Getreide sowie fettarme Milchprodukte an der sehr breiten Basis

Die folgende Tabelle zeigt das System noch einmal genauer auf:

Lebensmittel Häufigkeit
alkoholfreie, energiearme Getränke (Wasser, Tee, Kaffee) täglich mind. 1,5 Liter
Gemüse und Obst täglich 5 Portionen (3 Gemüse, 2 Obst)
Getreide und Erdäpfel täglich 4 Portionen
Milch- und Milchprodukte täglich 3 Portionen
pflanzliche Öle und Nüsse 1-2 Esslöffel pro Tag
Fisch, Fleisch, Wurst und Eier 1-2 Portionen Fisch pro Woche, 3 Portionen mageres Fleisch oder magere Wurst pro Woche, 3 Eier pro Woche
Streich-, Back- und Bratfette sparsam
Fettes, Süßes und Salziges sehr sparsam

Tabelle 1: Die Ernährungspyramide in Tabellenform

Wie hat sich die Ernährungspyramide in den letzten Jahren verändert?

Ernährungspyramide

gesunde Ernährung mit der Ernährungspyramide

Die oben genannte Ernährungspyramide des österreichischen Gesundheitsministeriums kann bereits als eine sehr ausgefeilte Version betrachtet werden. In der ersten Version des United States Department of Agriculture (USDA) aus dem Jahr 1992 werden Fette noch nicht in pflanzliche und tierische Fette unterteilt. Darüber hinaus bilden die Basis Getreide und Kartoffeln. Das neuere Modell aus Österreich stellt Gemüse und Obst als wichtigste Ernährungsbasis dar. Sämtliche Fette wurden damals zudem mit Süßigkeiten, Fett- und salzreichen Speisen in einer Gruppe zusammengefasst und sollten nur sehr selten verzehrt werden. Dies spiegelt natürlich auch den Stand der Wissenschaft wider, denn für eine gesunde Ernährung ist mehr nötig als nur eine reine Fettreduzierung.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen der neuen Ernährungspyramide und dem alten Modell im Überblick:

  • Pflanzliche und tierische Fette werden mittlerweile unterschieden
  • Die Basis einer guten Ernährung bilden Gemüse und Obst (nicht mehr reine Getreideprodukte)
  • Fette werden nicht mehr den Süß- und Fettspeisen zugeordnet, sondern in eigene Gruppen eingeteilt

Weitere Ernährungspyramiden – welche Ansätze gibt es noch?

Das Prinzip der Ernährungspyramide wurde von vielen Staaten aufgegriffen und auch immer wieder verändert. So hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein dreidimensionales Modell eingeführt, welches die einzelnen Lebensmittelgruppen auch noch in sich qualitativ bewertet. Neuere USDA-Modelle der Ernährungspyramide enthalten zudem ebenfalls Korrekturen des ersten Entwurfs. Das Schweizer Modell der Schweizer Gesellschaft für Ernährung (SGE) gibt eher nur vage Empfehlungen über die Mengen ab.

In Österreich wird vom Ministerium zusätzlich auch noch eine erweiterte Ernährungspyramide für Schwangere ausgegeben. Diese verbindet die normalen Empfehlungen mit zusätzlichen Sicherheitshinweisen und Ergänzungen, um den besonderen Anforderungen von schwangeren Frauen gerecht zu werden. Die Ernährungspyramide für Kinder wurde auch von Kindern erstellt und erklärt die wichtigsten Zusammenhänge auf sehr anschauliche Art und Weise.

Fazit zur Ernährungspyramide

Die Ernährungspyramide ist grundsätzlich eine gute Möglichkeit, Ernährungsempfehlungen anschaulich darzustellen. Aktuell ist sich die Wissenschaft jedoch über die Empfehlungen nicht ganz einig. Dass alkoholische Getränke nur in Maßen genossen werden sollten, ist unstrittig. Aber schon bei der Menge der Kohlenhydrate und Eiweiße gibt es aktuell keine Einigkeit. Fest steht jedoch, dass die Empfehlungen der österreichischen Ernährungspyramide eine gute Grundlage für die eigene Ernährung bilden können.

Die Ernährungspyramide – Noch aktuell oder voll retro?
4.67 (93.33%) 3 votes