Cannabis: Freigabe für medizinische Zwecke?

Ob in Europa oder Amerika, das Thema Cannabis weiß wie kaum ein anderes Thema unserer Zeit die Menschen zu polarisieren. Demonstrationen fordern die Legalisierung von Cannabis und in Deutschland sprechen sich längst auch Politiker für die Freigabe der Droge zur Schmerzbehandlung aus. Doch woher kommt der kontroverse Disput rund um das berauschende Naturprodukt. Warum ist Cannabis für viele Wissenschaftler, Forscher aber auch Schmerzpatienten ein Thema, dass nicht länger im Schatten der Gesetze verweilen sollte und wie kommt es, dass einzelne Produkte legal sind, andere jedoch wieder nicht?

Welche Wirkung hat Cannabis auf den Körper?

Um die Forderung nach Legalisierung zu verstehen, gilt es zunächst die Wirkungsweise von Cannabis auf den menschlichen Körper zu verstehen. Denn in erster Linie ist es die Wirkung von Cannabis, die als Grundlage für die Forderung nach Legalität der Droge fungiert und die die Argumentation der Befürworter zumindest in manchen Bereichen durchaus plausibel erscheinen lässt.

Je nach Art des Produktes und des Konsums verfügt Cannabis über unterschiedlichste Wirkungsweisen. Da Cannabis anders als andere Drogen und vergleichbare Substanzen auf jeden Menschen anders wirkt, lassen sich keine klaren allgemeinen Wirkungsweisen oder Nebenwirkungen bestimmen. Allgemein gelten jedoch die folgenden Auswirkungen des Cannabiskonsums als anerkannt:

Wahrnehmung und Fühlen

Der Konsum von Cannabis verändert die Wahrnehmung und Empfinden des Konsumenten. Es wirkt als würde die Wahrnehmung intensiviert. Was zuvor nebensächlich wirkte, scheint mit einem Mal von großem Interesse zu sein. Zudem scheint das Zeitgefühl zu verschwimmen. Minuten fühlen sich länger an und die innere Ruhe und Gelassenheit, die durch den Konsum eintritt, verstärkt dieses Gefühl.

Zeitgleich kann diese Wirkung jedoch auch zu einem überaus aufwühlenden und beängstigenden Zustand werden. Paranoia sowie sogenannte Horrortrips sind ebenso dokumentiert wie eine gestörte Wahrnehmung nach Missbrauch der Droge über einen längeren Zeitraum.

Denken und Erinnerung

Eine weitere Wirkung bezieht sich auf die Erinnerung sowie das Denken an sich. Die Droge wirkt auf das Gehirn des Konsumenten ein und scheint mit es in vielen Fällen unmöglich zu machen, einen Gedanken in aller Ruhe zu verarbeiten oder diesen zu kommunizieren. Wirre Gedankensprünge und ein übermäßiges Mitteilungsbedürfnis gelten als übliche Folgen des Cannabiskonsums.

Zeitgleich wirkt sich der regelmäßige Konsum von Cannabis negativ auf das Erinnerungsvermögen aus. Bei Langzeitkonsumenten wirkt der Drogenkonsum einer Demenzerkrankung gleich. Vergesslichkeit und große Erinnerungslücken entstehen und führen so nach und nach zu einem bedenklichen Erinnerungsverlust.

Körpererleben

Die wohl eindrucksvollste Wirkung von Cannabiskonsum liegt jedoch im sogenannten Körperlerben. Cannabiskonsumenten fühlten eine gewisse Leichtigkeit, die von einer erhöhten Herzfrequenz begleitet wird und von Konsumenten als überaus angenehm beschrieben wird. Zeitgleich scheint das Schmerzempfinden enorm reduziert zu werden, wodurch selbst schwerste Schmerzen (zum Beispiel im Zuge einer Krebserkrankung im Endstadium) vom Konsumenten nicht mehr wahrgenommen werden.

Alles in allem ist Cannabis somit eine Substanz, die im Körper positive wie auch negative Wirkung entfalten kann. Betrachtet man die möglichen Wirkungen der Droge so erkennt selbst der Laie sehr schnell, dass einzig die beruhigende und entspannende Wirkung, sowie die Reduzierung des Schmerzempfindens als positiv erachtet werden können.

Warum Cannabis verboten wurde – die umstrittenen Gründe für das Verbot.

Cannabis Verbot

Verbot von Cannabis – Opiumkonvention von 1924

Neben der durchaus positiven Wirkung auf das Schmerzempfinden und das allgemeine Wohlbefinden, welche der Konsum von Cannabis entfalten kann, waren es die vielen unterschiedlichen negativen Folgen des zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreiteten Cannabiskonsums, die letztlich im Zuge der Genfer Opiumkonvention von 1924/1924 zu einem nach und nach einsetzenden Verbot von Cannabis in unzähligen Ländern.

Das Verbot von Cannabiskonsum sowie dessen Besitz wurde in Deutschland wie auch Österreich bereits im Jahr 1929 erlassen und gilt Cannabis seither als verbotene Substanz deren Besitz, Konsum sowie vertrieb gemäß geltender Gesetzte verboten ist.

Als Gründe für das Cannabisverbot wurden zahlreiche Gründe angeführt. Allem voran der Gedanke, Cannabis würde als Anstoß zu einer Vielzahl an Verbrechen führen war letztlich in Ländern wie Amerika Grund genug, um die Wirkung von Cannabis schlimmer als die von Opium anzusehen und somit das Verbot für beinahe 80 Jahr uneingeschränkt aufrechtzuerhalten. Erst in den vergangenen Jahren begannen einzelne Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika, sowie einige Länder Europas die Verbote zu lockern, und Cannabis erneut als legitimes Schmerzmittel für unheilbar kranke Menschen zuzulassen.

Was würde die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke bewirken?

In Anbetracht der Risiken, der Wirkungsweise aber auch der Geschichte des Cannabisverbotes stellt sich nun auch in Österreich und Deutschland seit vielen Jahren die Frage, was denn eine Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke letztlich bewirken könnte.

Eine Legalisierung für medizinische Zwecke könnte:

  • Unheilbar Kranken eine gezielte Schmerzlinderung ohne Opiate ermöglichen.
  • Neue Behandlungsansätze für bislang unheilbare Krankheiten ermöglichen.
  • Im Zuge der Behandlung diverser Krankheiten eine bessere Behandlung ermöglichen.

Befürworter wie auch Betroffene unheilbarer Krankheiten sprechen sich klar für eine Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke aus. Die schmerzlindernde Wirkung ist medizinisch nachgewiesen und im Zuge zahlreicher Studien fundiert belegt worden. Allein diese Wirkungsweise von Cannabis würde das Leiden unzähliger Menschen zumindest ein Stück weit erleichtern. Darüber hinaus verweisen Befürworter der Legalisierung auf die Tatsache, dass Cannabis ein natürliches Produkt ist und in vielen Regionen der Welt seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde Anwendung findet. Weg von chemischen Mitteln mit unberechenbaren Folgen, zurück zu natürlichen Schmerzmitteln ist somit eine weitverbreitete Argumentation der Befürworter.

Um die Legalisierung für medizinische Zwecke zu bewirken braucht es:

  • Klare Regelungen und Gesetzesänderungen bezüglich des Verkaufs von Cannabis.
  • Klare Regelungen und Kontrollinstanzen für den legalen Konsum von Cannabis.
  • Ein nachhaltiges Umdenken bezüglich Wirkung und möglicher Nebenwirkungen von Cannabis.

Doch wäre es wirklich so einfach? Nun die gesetzlichen Richtlinien werden sicherlich nicht leicht zu definieren sein. Die schmerzlindernde Wirkung ist unbestritten und könnte im Zuge einer Legalisierung für medizinische Zwecke wahrlich gute Dienste leisten. Zeitgleich besteht die Gefahr, dass Schmerzpatienten legales Cannabis erwerben und es dann an Menschen weitergeben, die dessen Wirkung aus reinen Suchtproblematiken heraus suchen. Nutzen und Risiken, sie liegen bei kaum einem Thema naher aneinander, als bei der Frage ob Cannabis für medizinische Zwecke auch in Österreich erlaubt werden soll.

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